Mittagsstunde
Ingwer, 47 Jahre alt und Dozent an der Kieler Uni, fragt sich schon länger, wo eigentlich sein Platz im Leben sein könnte. Als seine „Olen“ nicht mehr allein klarkommen, beschließt er, dem Leben in der Stadt den Rücken zuzukehren, um in seinem Heimatdorf Brinkebüll im nordfriesischen Nirgendwo ein Sabbatical zu verbringen. Doch den Ort seiner Kindheit erkennt er kaum wieder: auf den Straßen kaum Menschen, denn das Zusammenleben findet woanders statt, keine Dorfschule, kein Tante-Emma-Laden, keine alte Kastanie auf dem Dorfplatz, keine Störche, auf den Feldern wächst nur noch Mais, aus gewundenen Landstraßen wurden begradigte Schnellstraßen.
Als wäre eine ganze Welt versunken. Wann hat dieser Niedergang begonnen? In den 1970ern, als nach der Flurbereinigung erst die Knicks und dann die Vögel verschwanden? Als die großen Höfe wuchsen und die kleinen starben? Als Ingwer zum Studium nach Kiel ging und seine Eltern mit dem Gasthof sitzen ließ? Wann verschwand die Mittagsruhe mit all ihren Herrlichkeiten und Heimlichkeiten? – Sönke Feddersen, de Ole, hält immer noch stur hinter seinem Tresen im alten Dorfkrug die Stellung, während Ella, seine Frau, mehr und mehr ihren Verstand verliert. Beide lassen Ingwer spüren, dass er sich schon viel zu lange nicht um sie gekümmert hat. Und nur in kleinen Schritten erkennt er, dass er noch längst nicht alle Geheimnisse entblättert hat.
Text, Bild & Trailer: Majestic Filmverleih
Regie: | Lars Jessen |
Darsteller: | Charly Hübner, Lennard Conrad, Peter Franke |
Jahr: | 2022 |
Land: | Deutschland |
Homepage: | https://www.mittagsstunde-film.de/ |
IMDb: | https://www.imdb.com/title/tt21148858 |
Gesehen am: 26. September 2022 im Capitol Dahlem
Eine gelungenes Familiendrama, das ganz wesentlich aber nicht nur – durch Charly Hübner getragen wird. Immer glaubhaft verkörpert er die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart und ganz besonders zwischen den Familienmitgliedern und deren Geschichte(n).
Das Sterben des Dorflebens zu Gunsten des Fortschritts, der Niedergang des Dorfgasthauses und deren Betreiber, alles fügt sich zu einem bewegenden Panorama, das sich über die Nachkriegsjahre bis in die Gegenwart erstreckt und alles mit einer guten Prise Humor, das „Kuddelmuddel“.
Sehr sehenswert